Die Allein Unterhalterin, Geschichten aus dem Skizzenbuch

Reptil-web

„Leute skizzieren“

darf man? darf man nicht?

Wer darf eigentlich was ?
oder
darf man nur gutgelaunte, wohlgebaute Menschen in perfekten Posen zeichnen ?
Ich fiel ins Grübeln, und grübelte und grübelte ………………………
und mußte letztendlich feststellen : ……Gäääääähn !
Das ist ja wie beim Aktzeichnen, wenn man immer nur Modelle mit „Play Boy“ Figuren vor sich hat.

In diesem Sinne:
eine kleine Story aus meinem Skizzenbuch,
das war 2001, also schon lange her.
Mein Sohn, seine Freundin und ich hatten 5 Tage Malta gebucht.
In unserer einfältigen Dreifaltigkeit unbedarft leisteten wir uns die Tour über Gozo.
Wir konnten ja nicht ahnen, daß es eher Jagsausflug gleichen wird.
Und kaum im Bus , da trafen wir sie, nein zuerst hörten wir sie:


Die Allein-Unterhalterin

Nur war sie leider nicht allein. Der ganze Bus voller Leute , mußte notgedrungen wegen ihrem ungedimmten , vielleicht auch nicht dimmbaren Organ, ihren eher platten Äußerungen folgen.
Egal, sie hatte ihr Ziel erreicht und wir bereuten es im Laufe des Tages nicht nur, daß wir uns auf das Abenteuer Pauschalreise eingelassen hatten und über die Insel gehetzt wurden, sondern auch ,daß wir es versäumt hatten Kopfhörer oder wenigstens Ohrstöpsel einzustecken.
Besagte Dame verbreitete solch lustige Sprüchen wie : „ …….ich lass mich nicht hetzen, wir sind doch auf der Reise, nicht auf der Flucht „,
und kommentierte all ihre Taten laut und deutlich…………Nein , das Klo war nicht dabei…………..
Also für Unterhaltung war gesorgt und Essen gab es dann auch irgendwann zwischen den 10-15 Minuten Stopps an den Sehenswürdigkeiten. Ein typisches Restaurant für Gäste mit wenig Geld und wenig Geschmack, mit einer durchschnittlichen , wie nennt man das ? , internationalen Küche und einer großen ungemütlichen Bahnhofshalle als Speisesaal. Aber wenigstens hatten wir eine ganze halbe Stunde nur zum Essen.
Mein Sohn und seine Freundin hatten nichts besseres zu tun, als sich direkt nach dem Essen einen Glimmstengel in den Mund zu stopfen. Auf diesen Augenblick muß sie gewartet haben, empört sprang sie am Ende des Saals auf und brüllte die beiden an.
OK , das mit dem Rauchen im Saal war doof, damals war es aber noch nicht verboten und wir saßen an der geöffneten Tür und sämtliche Fenster sorgten durch ihre Offenheit für eine gute Belüftung.
Entweder hatte sie uns schon ein Weilchen auf dem Kicker oder sie ergriff einfach spontan die Gelegenheit, sich bemerkbar zu machen, denn während des Essens war ihre Anwesenheit doch tatsächlich untergegangen.
Ich dachte nur, man hätte ja auch freundlich drum bitten können, statt die beiden Jugendlichen vor allen Leuten so platt zu machen. Und ich dachte, warte meine Liebe, Deine Figur ist mir eh schon in mein skizzierfreudiges Auge gefallen, ich werde noch meine Gelegenheit bekommen.
Und so war es auch:
Die nächste Station war an der Küste, dort sollten wir mit kleinen Booten zur blauen Grotte geschippert werden. Da wir so viele waren, mußten die meisten warten, bis wieder ein Boot frei war. Nicht zu glauben, auch sie bekam nicht als erste einen Platz. So saß sie auf dem Steg und baumelte mit ihren Quanten im bis dahin noch kristallklaren Wasser. 😀 …nein das war jetzt böse ;-)……..
Plötzlich explodierte ihre Stimme :
„Ich hab einen Fisch gesehen, ich hab einen Fisch gesehen!“.
Zufällig hörten wir wie ein vorübergehender Pilot zum anderen sagte: „ Fisch ? ich seh nur ein Reptil !“

Nachdem wir drei uns vom Boden wieder aufgerappelt hatten, auf dem wir eben noch vor Lachen rumgekugelt sind,
griff ich zu meinem Skizzenbuch, ja, da war sie, meine Chance
Hier das Ergebnis:
Genauso stand sie mit ihrem WOHLgeformten Heck am Wasser, bereit alle anderen zu verdrängen, kampfbereit, energisch und bereit ihren Platz im nächsten Boot schon jetzt zu verteidigen.
Meine Zeichnerei war wohl schon einigen aufgefallen, und während der Wartezeit kamen sie mir über die Schulter schauen. Herrlich das Prusten im Rücken und die Blicke, die zwischen meiner Figur im Buch und ihrer hin und her wanderten. Ziel fast erreicht, ich hatte eigentlich gehofft, daß sie neugierig wie sie war, auch gucken käme.
Vielleicht ahnte sie etwas.
Jedenfalls entschädigte mich das für ihre nervige Art, einem den ganzen Tag mitzugestalten.


 

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