Aus dem Skizzenbuch

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In der Uniklinik
Wartezeiten
Verzettelte Kontrollübung
Es ist ja nicht so, daß man Zeit-Rabatt bekommt als Stammkunde, nein man muß – wie alle anderen auch – überall sein Märkchen am Automaten ziehn und dann ist Warten angesagt. Und daaas kann dauern.
Als Erstes ist es vonnöten sich anzumelden, und dafür muß man – alle mal raten – ein Märkchen ziehen.
Diesmal war ich schlau, ich hab mir mein Skizzenbuch mitgebracht. Innen- und außenarchitektonisch gibt das Gebäude zwar nicht viel her, ausserdem reichen mir die fünf Monate intensives Überlebenstraining in diesem Gebäudekomplex aus den 70gern vollkommen. Ok, es gibt ja noch andere Motive, dann müssen meine Mit- Leidensgenossen und Genossinnen herhalten,
und das lohnt sich dort. Das ist fast so gut wie in Berlin auf dem Alexanderplatz die Leute zu beobachten.
Auch hier faszinierten wieder die Profile jedes Einzelnen und mich besonders die Dame ganz rechts auf Bild . Nicht mehr ganz jung im kurzen Rock mit Netzstrümpfen und hohen Hacken. Schick war sie allemal und man sah, daß sie sich dessen auch voll bewußt war. In regelmäßigen Abständen fuhr sie sich durchs üppige Haar und schüttelte jede einzelne Strähne locker auf, damit sie danach noch üppiger über ihre Schultern fielen. Derweil rutschte ihr Rock immer höher und der rechte Strumpf tiefer und schlug dabei eine elegante Querfalte. Sie war mein Topmodel.
Aber auch die Herren mit ihren markanten Seitenansichten und teils dicken Lippen , groben Nasen und Augenbrauen, die sich für einen Haarverpflanzung gelohnt hätten, hatten ihren Reiz. –
Nach der Anmeldung gings zur Blutbank. Und wie sollte es anders sein ? Ja – genau – Märkchen ziehen. Diesmal ist der Automat nicht wie an der Anmeldung für alle sichtbar mitten im Raum, nein, man hat sich gedacht, wir machen Gehirnjogging mit den Patienten, damit sie sich nicht so langweilen bei der ganzen Warterei und hatte ihn boshafterweise hinter der Tür versteckt, die immer offen steht und somit den Apparat verdeckt. Alteingesessene Patienten liegen auf der Lauer und beobachten genußvoll jeden Neuen bei seiner Suche. Ab und zu gibt es einen Spielverderber, der aufspringt sobald er das ahnt, und verrät die Richtung durch hastiges Rumfummeln in der Luft.
Auch hier fand ich meine Opfer, der Mann mit der vorgeschobenen Unterlippe und den buschigen Augenbrauen, Käppi auf dem Kopf, lässige Turnschuhe und schlotterige Jeans lümmelte sich neben uns auf der Ablage herum. Gegenüber sitzen vier in Reih und Glied, der Herr ganz rechts warkurz vorm Einschlafen, der zweite von links , der Riese stellte sich nach dem Aufstehen als Sitzriese heraus. Nach dem Abzapfen ging es zur nächsten Station, und dann die nächste und ………….. und so kann man Stunden dort verbringen, Tage, Monate dort mit Warten verbringen.
Wenigstens sind ein paar Skizzen dabei rumgekommen und das Beobachten macht ja nunmal richtig Spaß, wenn man nur nicht dauernd unterbrochen würde, weil man dran ist ;-).


 

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